Im Rahmen eines Seminars von Prof. Dr. Rahel Puffert erarbeiteten Studierende der Kunstpädagogik und der Freien Kunst seit Anfang April experimentelle Vermittlungsformate für die Ausstellung „Von der Sprache aus. Joseph Beuys zum 100. Geburtstag“ (Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin). Im Experimentalraum Kunstvermittlung wird der Prozess von der Recherche bis zur Realisierung als „work in progress“ mit offenem Ausgang dokumentiert und ist bis zum 15. August zu sehen.

Aufgrund der pandemischen Bedingungen war der direkte Kontakt mit Besuchenden der Ausstellung vor Ort nicht möglich. Anstelle dessen taten sich die Studierenden in vier Gruppen zusammen und befassten sich je mit einem Teilaspekt der Ausstellung. Idee war es, die kritische und zuweilen durchaus ironische Befragung und Kommentierung der Werke von Beuys mit den Besuchenden zu teilen und so Anstöße für andere Blickwinkel auf seine Arbeit zu eröffnen. Teile des in Berlin Präsentierten sind hier zu sehen. Wir möchten uns an dieser Stelle für die im mehrfachen Sinn eingeräumten Möglichkeiten bei der Leitung für Bildung und Vermittlung des Hamburger Bahnhof Claudia Ehgartner sehr herzlich bedanken.


Experimental Space Art Education

As part of a seminar by Prof. Dr. Rahel Puffert, students of the Braunschweig University of Fine Arts have been working on experimental education formats for the exhibition „Von der Sprache aus. Joseph Beuys zum 100. Geburtstag“ (Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin) as part of a seminar. Until August 15th, in this room, the process from research to realization is documented as “work in progress” with open outcome within the exhibition space.

Due to the pandemic, there was no possibility to interact with visitors of the exhibition in person. Students worked together in four groups each dealing with another aspect regarding the exhibition. Their aim was to share their critical as well as at times ironic commentary on Beuys‘ work with visitors in order to evoke new perspectives regarding his work. Shown below are parts of the presented work in Berlin. Finally, we would like to thank Claudia Ehgartner, the head of education and mediation at the Hamburger Bahnhof, for the opportunity to work on this project.


Wie man dem toten Beuys die Sprache erklärt J. Lenz, M. Lorenz, K. Reispich, L. Schultze   

Wie man dem toten Beuys die Sprache erklärt

1985 trägt Joseph Beuys seine „Rede über das eigene Land“ vor und unterstreicht die heilende Wirkung von Sprache auf die Gesellschaft und dass man sich von kapitalistischen Strukturen befreien sollte. „Jeder Mensch ist ein Künstler“ bedeutet dabei nicht, dass jeder in der Lage ist, schöne Bilder zu malen, sondern die Handlungsmacht hat, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Ein Jahr später stirbt der Künstler und wird auf See bestattet. Vier Studierende der HBK Braunschweig beschäftigen sich 36 Jahre später kritisch mit der Rede und betrachten sie parallel zur Biografie von Beuys, welche in Form einer Videoarbeit und in Anlehnung an Beuys‘ Performance „Wie man einem toten Hasen die Bilder erklärt“ erfolgt. Dabei setzen sie sich mit problematischen Formulierungen auseinander, die in Anlehnung zum rechtspopulistischen Umfeld Beuys den Interpretationsspielraum eröffnen, auch bei Beuys nationalistisches Gedankengut zu vermuten.

Beuys, ein guter Lehrer? – Chrisi Herrmann, René Peters

Beuys, ein guter Lehrer?

Erkenntnis, naturwissenschaftliches Wissen und die Magie der Tierwelt – in diesen Zusammenhängen bewegen sich die Gedanken Beuys’. Benutzte er die Kunst, um seine eigene Ideologie der politischen Sozialisierung und des deutschen Idealismus zu manifestieren? Auf der Grundlage des Denkens erhob er die Existenz der Idee und in Bezug dazu das Ich-Bewusstsein zum Höhepunkt des Daseins. Dabei verfolgte Beuys die Position, die Gesellschaft einer Umwandlung auf dem Fundament der Kunst zu unterziehen. Mit dem sich eigens auferlegten Mythos führen die Überlegungen zu ihm in einen nicht zu ermüdenden Diskurs. Die Annahme des Künstlers reicht vom Führer in Form von Leiten, Lenken, Steuern oder in Anlehnung an den Pädagogen zum Lehren und Erziehen. Auf der Suche nach einer Einordnung führt der Prozess auf unterschiedliche Entgegnungen. Sie sind als Besuchende dieser Ausstellung eingeladen, eine Haltung zu entwickeln und sich in die Untersuchungen einzubringen: Beuys, ein guter Lehrer?

 

Über Unsichtbarkeit sprechen I. Theuerzeit, A. Steckmann, M. Schöckel, J. Grabietz, S. Cruz Hahne, J. Klukas

Wie fühlen sich die Personen hinter dem musealen Ausstellungsbetrieb und wie kann man diese in den Vordergrund rücken?

Die Künstlerin Mierle Landerman Ukeles hat zeitgleich zu Beuys die Kunstwelt durch ihren subtilen Umgang mit den „Arbeitern im Hintergrund“ aufgemischt und die Betrachtung von Kunst und alltäglichen Prozessen in Frage gestellt. Das hat unsere Gruppe veranlasst, sich mit der Sichtbarkeit bestimmter Abläufe, welche den Ausstellungsbetrieb im Museum betreffen, auseinanderzusetzen. Ukeles’ Arbeiten sind Inspiration für die Ausarbeitung unseres Essayfilms, der unter dem Themenschwerpunkt Sichtbarkeit von Instandhaltungsprozessen gewirkt hat. Zur Erläuterung ihres Arbeitsansatzes haben wir hier eine Sammlung an Referenzen zu der Künstlerin Mierle Laderman Ukeles zusammengestellt.

7001 Eiche M. Knopf, P. Modlinski, M. Payet, P. Pätzold

Was haben Joseph Beuys’ „7.000 Eichen“ mit Braunschweig zu tun?

Unsere Gruppe hat sich mit dem Werk „7000 Eichen“ von 1982-1987 beschäftigt. Wir hatten uns zuerst über dieses Werk im Allgemeinen informiert und während unserer Recherchen herausgefunden, dass einer der Basaltsteine von Joseph Beuys‘ Aktion „7000 Eichen. Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ in Kassel sich an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig befindet. Weitere Recherchen ergaben, dass anlässlich des 100. Geburtstags von Joseph Beuys ebenso eine Eichenpflanzung an unserer Hochschule stattfinden sollte. Wir kontaktierten den Initiator des Projekts, um genauer zu erfahren, wie der Stein von Kassel nach Braunschweig kam und was sich rund um den Stein seither bis zur erneuten Eichenpflanzung vor wenigen Wochen ereignet hatte.

Nachdem wir die gesammelten Informationen zusammengetragen hatten, entschieden wir, sie in Form eines Märchens zu vermitteln, da wir es für die interessanteste Art hielten, die Geschichte oder auch Reise des Steins, unterhaltsam zu gestalten. Es war uns außerdem wichtig, nicht nur die Fakten stumpf aufzuzählen, sondern den Besucher*innen die Geschichte des Steins auf lebhafte Weise näher zu bringen.