DIPLOM 'still there are seeds to be gathered' // alissa mirea weidenfeld
| Ort: | Geb. 40 | Raum 012 | Ateliergebäude Blumenstraße |
| Zeiten: |
Do: 18-22 Uhr Fr - Sa: 10-20 Uhr So: 12-18 Uhr |
| Studiengang: | Freie Kunst |
| Betreut von: | Verw.-Prof. Pınar Öğrenci |
| Art der Veranstaltung: | Ausstellung/Präsentation |
“[…]and still the story isn't over. Still there are seeds to be gathered, and room in the bag of stars.”
„[…] und damit ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende. Es gibt noch immer Samen zu sammeln, noch immer Platz im Sternenbeutel“.
Ursula K. Le Guin in “The Carrier Bag Theory Of Fiction” (Übersetzung Matthias Fersterer)
re _arrange desire – Objekte unterhalten sich mit der innig- erotisch- queer-feministisch- poetischen- Puzzle-Lyrik. Überschneidungen – Neuzusammensetzungen, durch unterschiedlich lange Loops des Eingesprochenen.
Die Aufnahmen davon, wie diese Lyrik aus Büchern gefüllt mit misogynen, sexistischen Annahmen, binären Klischees, Übergriffigkeit und Verachtung entstanden sind, werden auf ein mit Wasser gefülltes Keramikbecken projiziert (Zusammenschnitt auf 3:32 Stunden von 12:37 Stunden Dokumentationsmaterial). Drumherum könnt ihr euch auf/zu Verweilobjekte setzen, die ich aus den aussortierten Textilien von Freund*innen genäht habe.
“Bodies of Water and Clay” ≈ „Körper aus Wasser und Ton“ – eine intuitiv-assoziative Videoarbeit (1:03 Stunden), die für mich um die Themen Hydrofeminismus, Watery Embodiment, Intimacy, Fluidität, Transformation, Soil Care und Ocean Care kreist, ist in ein weiteres mit Wasser gefülltes Becken projiziert.
“We are all bodies of water – to think embodiment as watery, we experience ourselves less as isolated entities and more as oceanic eddies.”≈„Wir alle sind Gewässer – wenn wir uns die Verkörperung als etwas Wasserhaftes vorstellen, erleben wir uns weniger als isolierte Wesen, sondern vielmehr als Strudel im Ozean.“ Astrida Neimanis
Eine Haarbürste und ein Bohnenhülsenmobile werden hängend zu “Occupations of Uninhabited Space” (Titel aus Ursula K. Le Guin: „The Dispossessed“).
Ein drittes Becken wird zum Behältnis für “tentative tools” ≈ „Körpererkundungsinstrumente“. Letzte finden sich auch in den beiden Regalen wieder.
Das eine Regal zeigt Prozesshaftes: gesammelte Erden, Experimente mit Haaren, Wurzeln und Waben, Bohnensamen, die Bücher re_arrange desire: echter sex und echter sex II, tentative tools mit verschiedenen Erden und Tonen, Fausthöhle – eine Höhle zum (Aus-)ruhen von Fäusten…
Das “s(h)elf” Regal, das selbst aus in Ton eingedrückten Spuren von Körper und Bewegungen, ausgerieben mit Eisenoxid besteht, kann als Archiv gesehen oder zum Ablegen genutzt werden.
Unter der Decke neben/mit den Spinnweben hängen “(to) mask: octopus-spider-being” ≈ „Mask(i)e(ren): Oktopus-SpinnenWesen“. Die Wesen sind aus Leinen gestrickt und entstanden während meiner Zeit in Litauen.
Im Außenbereich könnt ihr noch auf „Pergantian Kulit/ Häutung“ treffen, drei Objekte, die während meiner Zeit in Indonesien entstanden und bei welchen ich mit verschiedenen gesammelten und geschenkten Erden und Tonen arbeitete.
Auf einem Fensterbrett könnt ihr euch Glasurblättchen ansehen, die Teil „meines“ experimentellen Recherchieren sind.
„Mein, meines, meins“ versuche ich in Anführungszeichen zu denken, zu verstehen und zu schreiben, da doch eigentlich alles hier auch eine kollektive Arbeit ist, ob mit Menschen oder mehr als menschlichen Lebewesen. Ob gemeinsam daran gearbeitet oder durch Andere motiviert, inspiriert oder unterstützt…
Danke an alle, die dabei waren und sind…
Kunst ist für mich eine ständige Begleiter*in und die künstlerische Praxis eine sinnliche, relationale Suche.
Wie Ursula K. Le Guin ihre Bücher als Behältnisse für Anti-Helden Geschichten sieht, in welchen Vorschläge gemacht und Utopien gedacht werden, so kann ich auch Kunst als ein Behältnis für Anti-Genie Geschichten mit durch Phantasie und Erfahrungen genährten Inhalten begreifen.
“The imagination is truly the enemy of bigotry and dogma.”≈ „Die Vorstellungskraft ist wahrlich der Feind von Engstirnigkeit und Dogmatismus“. Ursula K. Le Guin
